Mit Laserlicht gegen Hautläsionen
Eine erfolgreiche Therapie - aber nur in geübten Händen
In der dermatologischen und kosmetischen Medizin findet die
Lasertherapie eine breite Anwendung. Behandelt werden störende Äderchen,
lästige Haare, Narben und Tätowierungen. Doch nicht immer ist
der Laser die richtige Therapie. Bei verkannten Melanomen zum
Beispiel kann eine Laserbehandlung die korrekte Diagnose verzögern
und so die Heilungschance der betroffenen Person verringern.
Von Reinhard Dummer und Peter H. Bloch*
Die medizinische Lasertherapie verspricht Hilfe bei störenden
Hautveränderungen, die demgängigen Schönheitsideal
zuwiderlaufen. Besonders in der Behandlung von Feuermalen, kleinenÄderchen
im Gesicht (Couperose) sowie Tätowierungen hat sich der Laser
etabliert. Doch nicht selten sind andere Methoden überlegen: Für
Besenreiser an den Beinen beispielsweise ist die Verödung (Sklerosierung)
in vielen Fällen effizienter, schneller und billiger.
Laserbehandlungen werden in der Schweiz von Ärzten
unterschiedlichster Fachrichtungen und teilweise auch von
Nichtmedizinern angeboten. Doch in vielen Fällen sind
Lasertherapeuten nicht genügend mit dem breiten Spektrum der
Hauterkrankungen und anderen Behandlungsmethoden vertraut, was oft
zu unbefriedigenden Resultaten führt. Gelegentlich können
Laserbehandlungen für den Patienten sogar ernsthafte
gesundheitliche Folgen haben.
Wie wirkt Laserlicht?
Das Akronym Laser steht für «light amplification by stimulated
emission of radiation» - was bedeutet, dass Lichtquanten in einem
geeigneten Medium unter Zufuhr von Energie eine einfarbige,
optische Strahlung abgeben. Mit Hilfe dieser Strahlung sollen Veränderungen
der Haut oder der Schleimhäute möglichst vollständig entfernt
werden, indem die sogenannten Chromophoren - das heisst die zu
entfernenden, Farbstoff-tragenden Strukturen der Haut - selektiv
zerstört werden. Denn die unterschiedlichen Chromophoren - der
rote Blutfarbstoff, das natürliche schwarze Pigment (Melanin),
von aussen zugeführte Farbstoffe (z. B. Tätowierungen) und
die Gewebeflüssigkeit - absorbieren Laserlicht je einer
bestimmten Wellenlänge, wandeln dieses in Wärme umund
verdampfen. Kleinere Strukturen wie einzelne Pigmente benötigen
zudem kürzere Pulszeiten als Blutgefässe, da hier die zur Zerstörungnotwendige
Hitze schneller erreicht ist. Das umliegende Gewebe wird geschützt,
indem maneinerseits die Haut kühlt, andererseits Wellenlänge und
Impulsdauer gezielt wählt.
Eine sichere Anwendung der Lasertherapie ist in erster Linie abhängig
von der richtigen Einschätzung der Krankheitsbilder und der
Kenntnis der zugrunde liegenden Störungen. So hat eine
Laserbehandlung bei einem Säugling mit einem Hämangiom
(Blutschwamm) meistens keinen Sinn, wenn sich die Hautveränderung
bereits in einer schnellen Wachstumsphase befindet. Liegt ein
solches Hämangiom an einer kritischen Stelle, muss es chirurgisch
entfernt werden. Auch bei vermeintlichen Blutschwämmchen im
Gesicht älterer Personen ist ein chirurgisches Vorgehen einer
Laserbehandlung oft vorzuziehen - entpuppt sich doch die Veränderung
bei der Gewebeuntersuchung nicht selten als bösartiger Hauttumor.
Zur Entfernung von Tätowierungen hingegen ist die Laserbehandlung
einer Operation in jedem Fall überlegen, auch wenn sich helle
Farbpigmente bis heute nicht optimal entfernen lassen- im
Gegensatz zu dunklen Farben, die mit Laserlicht mit extrem kurzer
Impulsdauer sehr gut behandelbar sind.
Haarentfernung und «Verjüngung»
Dunkle Körperhaare, wie sie oft bei mediterranen Frauen vorkommen,
werden oft als unästhetisch, zuweilen gar als quälend empfunden.
Geeignete Lasersysteme sind in der Lage, die Melanin-reichen
Haarwurzeln, die sich in der Wachstumsphase befinden, selektiv zu
zerstören. Allerdings sind immer mehrere Sitzungen nötig, dasich
jeweils nur ein Teil der Haare gerade in diesem anfälligen
Zustand befindet. Ob die Haarenach einer solchen Behandlung tatsächlich
definitiv nicht mehr nachwachsen, lässt sich zum jetzigen
Zeitpunkt noch nicht beurteilen.
Wahre «Wunder» - zumindest aber eine gewisse Glättung der Haut für
einige Jahre - verspricht die Abtragung der obersten Hautschichten
mit einem CO 2 - oder Erbium-Laser im Rahmen des sogenannten «Skin
Resurfacing». Die so zerstörte Oberhaut regeneriert sich, und
die Neubildung von Kollagen wird angeregt - die neueHaut ist
weniger faltig. Dieser Erfolg muss allerdings mit äusserst
unangenehmen Nebenwirkungen «erkauft» werden. Denn nach der
Behandlung nässt, juckt und brennt die Haut und kann noch während
Wochen bis Monaten gerötet und vermehrt berührungs- und
lichtempfindlich sein.
Dies ist der Grund, weshalb sich in Zukunft wahrscheinlich ein
anderes Verfahren zur Straffung und «Verjüngung» der
Gesichtshaut durchsetzen wird: das «Subsurfacing». Dabei wird
diegekühlte Hautoberfläche mit längerwelligem Laserlicht, das
in tiefere Hautschichten vordringt,behandelt. Die Hautoberfläche
bleibt dabei unversehrt, während das Bindegewebe in der Tiefe
zerstört wird.
Finger weg von Muttermalen!
Verschiedene gutartige Hautveränderung lassen sich auf einfache
Weise mit Lasersystemen «verdampfen». Allerdings ist diese
Methode der - billigeren - Behandlung mit Kälte oder einer
operativen Therapie meistens nicht überlegen. Letzterebietet
zudem den Vorteil, dass die nach der Entfernung durchgeführte
Gewebeuntersuchung zeigt, ob die Läsion gut- oder bösartig ist.
Aus diesem Grund ist der unkritische Einsatz von Lasergeräten bei
bräunlich pigmentierten Muttermalen, wie er leider weit
verbreitet ist, besonders bedenklich. Denn auch erfahrene
Dermatologen können ein gutartiges Muttermal - selbstmit Hilfe
technischer Hilfsmittel wie der Auflichtmikroskopie - oft nicht
sicher von einem bösartigen Melanom abgrenzen. Zudem können
Muttermale in vielen Fällen nicht vollständig, oft nicht einmal
kosmetisch befriedigend, entfernt werden. Und wächst nach einer
Laserbehandlung ein pigmentiertes Muttermal nach, muss die Veränderung,
um einen Hautkrebs auszuschliessen, doch noch operativ entfernt
und untersucht werden. Das durch den Laser geschädigte Gewebe
aber lässt eine korrekte Diagnose oft nicht mehr zu.
Gerade beim Melanom jedoch ist eine frühzeitige Diagnose ganz
entscheidend, denn der Heilungserfolg ist von der Eindringtiefe
des Tumors in der Haut abhängig. Eine undifferenzierte
Laserbehandlung von unklaren, bräunlich pigmentierten Hautveränderungen
kann somit die Heilungschance einer betroffenen Person
verschlechtern.
600 bis 2000 Franken pro Stunde
Je nach Lasertyp werden Stundenansätze zwischen 600 und 2000
Franken verrechnet, die von den Krankenkassen nicht zurückerstattet
werden müssen. Die hohen Kosten sind durch die erheblichen
Anschaffungs- und Unterhaltskosten sowie die Notwendigkeit zur
raschen Amortisation der Geräte bedingt. Es ist deshalb klar,
dass Lasergeräte nur von wenigen Spezialisten kostendeckend
eingesetzt werden können.
Für die gute Betreuung der Patienten ist die korrekte Diagnose und
eine kompetente Beratung wichtiger als die eigentliche Technik der
Laserbehandlung. Diese Methode ist zudem, trotz ihren angeblich
fast «magischen» Möglichkeiten, nur eine Behandlung unter
vielen. Ein erfahrener Arzt wird den Laser deshalb sorgfältig,
gezielt und kostenbewusst einsetzen. Ein Fertigkeitsausweis, der
von der Vereinigung der chirurgisch tätigen
Fachgesellschaften FMS seit Anfang Jahr an qualifizierte Ärzte
abgegeben wird, soll mithelfen, die Qualität bei
Laserbehandlungen zu verbessern.
* R. D. ist Leitender Arzt an der
Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich; P. H. B.
ist frei praktizierender Dermatologe und Allergologe und Mitglied
des Exekutivausschusses der Laserkommission der FMS.
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