Prof. Docteur med. Rudolf A. Rupec
Spécialiste FMH Dermatologie
Spécialiste Allergologie
CH-4500 Soleure

 

  Mittwoch, 21. November 2001

 

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Titel NZZ Forschung und Technik

 

 

Mit Laserlicht gegen Hautläsionen

Eine erfolgreiche Therapie - aber nur in geübten Händen

In der dermatologischen und kosmetischen Medizin findet die Lasertherapie eine breite Anwendung. Behandelt werden störende Äderchen, lästige Haare, Narben und Tätowierungen. Doch nicht immer ist der Laser die richtige Therapie. Bei verkannten Melanomen zum Beispiel kann eine Laserbehandlung die korrekte Diagnose verzögern und so die Heilungschance der betroffenen Person verringern.

Von Reinhard Dummer und Peter H. Bloch*

Die medizinische Lasertherapie verspricht Hilfe bei störenden Hautveränderungen, die demgängigen Schönheitsideal zuwiderlaufen. Besonders in der Behandlung von Feuermalen, kleinenÄderchen im Gesicht (Couperose) sowie Tätowierungen hat sich der Laser etabliert. Doch nicht selten sind andere Methoden überlegen: Für Besenreiser an den Beinen beispielsweise ist die Verödung (Sklerosierung) in vielen Fällen effizienter, schneller und billiger.

Laserbehandlungen werden in der Schweiz von Ärzten unterschiedlichster Fachrichtungen und teilweise auch von Nichtmedizinern angeboten. Doch in vielen Fällen sind Lasertherapeuten nicht genügend mit dem breiten Spektrum der Hauterkrankungen und anderen Behandlungsmethoden vertraut, was oft zu unbefriedigenden Resultaten führt. Gelegentlich können Laserbehandlungen für den Patienten sogar ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.

Wie wirkt Laserlicht?

Das Akronym Laser steht für «light amplification by stimulated emission of radiation» - was bedeutet, dass Lichtquanten in einem geeigneten Medium unter Zufuhr von Energie eine einfarbige, optische Strahlung abgeben. Mit Hilfe dieser Strahlung sollen Veränderungen der Haut oder der Schleimhäute möglichst vollständig entfernt werden, indem die sogenannten Chromophoren - das heisst die zu entfernenden, Farbstoff-tragenden Strukturen der Haut - selektiv zerstört werden. Denn die unterschiedlichen Chromophoren - der rote Blutfarbstoff, das natürliche schwarze Pigment (Melanin), von aussen zugeführte Farbstoffe (z. B. Tätowierungen) und die Gewebeflüssigkeit - absorbieren Laserlicht je einer bestimmten Wellenlänge, wandeln dieses in Wärme umund verdampfen. Kleinere Strukturen wie einzelne Pigmente benötigen zudem kürzere Pulszeiten als Blutgefässe, da hier die zur Zerstörungnotwendige Hitze schneller erreicht ist. Das umliegende Gewebe wird geschützt, indem maneinerseits die Haut kühlt, andererseits Wellenlänge und Impulsdauer gezielt wählt.

Eine sichere Anwendung der Lasertherapie ist in erster Linie abhängig von der richtigen Einschätzung der Krankheitsbilder und der Kenntnis der zugrunde liegenden Störungen. So hat eine Laserbehandlung bei einem Säugling mit einem Hämangiom (Blutschwamm) meistens keinen Sinn, wenn sich die Hautveränderung bereits in einer schnellen Wachstumsphase befindet. Liegt ein solches Hämangiom an einer kritischen Stelle, muss es chirurgisch entfernt werden. Auch bei vermeintlichen Blutschwämmchen im Gesicht älterer Personen ist ein chirurgisches Vorgehen einer Laserbehandlung oft vorzuziehen - entpuppt sich doch die Veränderung bei der Gewebeuntersuchung nicht selten als bösartiger Hauttumor.

Zur Entfernung von Tätowierungen hingegen ist die Laserbehandlung einer Operation in jedem Fall überlegen, auch wenn sich helle Farbpigmente bis heute nicht optimal entfernen lassen- im Gegensatz zu dunklen Farben, die mit Laserlicht mit extrem kurzer Impulsdauer sehr gut behandelbar sind.

Haarentfernung und «Verjüngung»

Dunkle Körperhaare, wie sie oft bei mediterranen Frauen vorkommen, werden oft als unästhetisch, zuweilen gar als quälend empfunden. Geeignete Lasersysteme sind in der Lage, die Melanin-reichen Haarwurzeln, die sich in der Wachstumsphase befinden, selektiv zu zerstören. Allerdings sind immer mehrere Sitzungen nötig, dasich jeweils nur ein Teil der Haare gerade in diesem anfälligen Zustand befindet. Ob die Haarenach einer solchen Behandlung tatsächlich definitiv nicht mehr nachwachsen, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen.

Wahre «Wunder» - zumindest aber eine gewisse Glättung der Haut für einige Jahre - verspricht die Abtragung der obersten Hautschichten mit einem CO 2 - oder Erbium-Laser im Rahmen des sogenannten «Skin Resurfacing». Die so zerstörte Oberhaut regeneriert sich, und die Neubildung von Kollagen wird angeregt - die neueHaut ist weniger faltig. Dieser Erfolg muss allerdings mit äusserst unangenehmen Nebenwirkungen «erkauft» werden. Denn nach der Behandlung nässt, juckt und brennt die Haut und kann noch während Wochen bis Monaten gerötet und vermehrt berührungs- und lichtempfindlich sein.

Dies ist der Grund, weshalb sich in Zukunft wahrscheinlich ein anderes Verfahren zur Straffung und «Verjüngung» der Gesichtshaut durchsetzen wird: das «Subsurfacing». Dabei wird diegekühlte Hautoberfläche mit längerwelligem Laserlicht, das in tiefere Hautschichten vordringt,behandelt. Die Hautoberfläche bleibt dabei unversehrt, während das Bindegewebe in der Tiefe zerstört wird.

Finger weg von Muttermalen!

Verschiedene gutartige Hautveränderung lassen sich auf einfache Weise mit Lasersystemen «verdampfen». Allerdings ist diese Methode der - billigeren - Behandlung mit Kälte oder einer operativen Therapie meistens nicht überlegen. Letzterebietet zudem den Vorteil, dass die nach der Entfernung durchgeführte Gewebeuntersuchung zeigt, ob die Läsion gut- oder bösartig ist.

Aus diesem Grund ist der unkritische Einsatz von Lasergeräten bei bräunlich pigmentierten Muttermalen, wie er leider weit verbreitet ist, besonders bedenklich. Denn auch erfahrene Dermatologen können ein gutartiges Muttermal - selbstmit Hilfe technischer Hilfsmittel wie der Auflichtmikroskopie - oft nicht sicher von einem bösartigen Melanom abgrenzen. Zudem können Muttermale in vielen Fällen nicht vollständig, oft nicht einmal kosmetisch befriedigend, entfernt werden. Und wächst nach einer Laserbehandlung ein pigmentiertes Muttermal nach, muss die Veränderung, um einen Hautkrebs auszuschliessen, doch noch operativ entfernt und untersucht werden. Das durch den Laser geschädigte Gewebe aber lässt eine korrekte Diagnose oft nicht mehr zu.

Gerade beim Melanom jedoch ist eine frühzeitige Diagnose ganz entscheidend, denn der Heilungserfolg ist von der Eindringtiefe des Tumors in der Haut abhängig. Eine undifferenzierte Laserbehandlung von unklaren, bräunlich pigmentierten Hautveränderungen kann somit die Heilungschance einer betroffenen Person verschlechtern.

600 bis 2000 Franken pro Stunde

Je nach Lasertyp werden Stundenansätze zwischen 600 und 2000 Franken verrechnet, die von den Krankenkassen nicht zurückerstattet werden müssen. Die hohen Kosten sind durch die erheblichen Anschaffungs- und Unterhaltskosten sowie die Notwendigkeit zur raschen Amortisation der Geräte bedingt. Es ist deshalb klar, dass Lasergeräte nur von wenigen Spezialisten kostendeckend eingesetzt werden können.

Für die gute Betreuung der Patienten ist die korrekte Diagnose und eine kompetente Beratung wichtiger als die eigentliche Technik der Laserbehandlung. Diese Methode ist zudem, trotz ihren angeblich fast «magischen» Möglichkeiten, nur eine Behandlung unter vielen. Ein erfahrener Arzt wird den Laser deshalb sorgfältig, gezielt und kostenbewusst einsetzen. Ein Fertigkeitsausweis, der von der Vereinigung der chirurgisch tätigen Fachgesellschaften FMS seit Anfang Jahr an qualifizierte Ärzte abgegeben wird, soll mithelfen, die Qualität bei Laserbehandlungen zu verbessern.

* R. D. ist Leitender Arzt an der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich; P. H. B. ist frei praktizierender Dermatologe und Allergologe und Mitglied des Exekutivausschusses der Laserkommission der FMS.

 

 

 

21. November 2001

 

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